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Handy als Kartenlesegerät: Kartenzahlung per Smartphone einfach erklärt

SoftPOS macht aus einem gewöhnlichen Smartphone ein Kartenterminal — ohne Hardware, ohne Mietvertrag, ohne Bondrucker. Dieser Leitfaden erklärt die Technik, die Kosten, die Sicherheitsstandards und die Grenzen der Technologie.

Redaktion: SoftPOS24 Payment-ResearchStand: 15.08.2026Datenbasis: 121 Anbieter, 14 Kriterien
Definition

SoftPOS (Software Point of Sale, auch „Tap to Phone“ oder „Tap on Mobile“) bezeichnet eine Software, die die NFC-Antenne eines handelsüblichen Smartphones oder Tablets nutzt, um kontaktlose Kartenzahlungen entgegenzunehmen. Der Kunde hält seine Karte, sein Handy oder seine Smartwatch an die Rückseite des Händlergeräts — es wird keine zusätzliche Hardware benötigt. Der Sicherheitsstandard dafür heißt PCI MPoC.

Wie SoftPOS technisch funktioniert

Jedes moderne Smartphone besitzt einen NFC-Chip. Bisher durfte dieser Chip aus Sicherheitsgründen nur im Lesemodus für die eigene Wallet arbeiten. SoftPOS kehrt die Rolle um: Das Telefon wird zum Akzeptanzgerät.

Der Ablauf einer Zahlung dauert wenige Sekunden und läuft in fünf Schritten ab:

  1. Der Händler gibt den Betrag in der App ein.
  2. Die App aktiviert den NFC-Chip im Akzeptanzmodus.
  3. Der Kunde hält Karte, Smartphone oder Smartwatch an die Rückseite des Händlergeräts.
  4. Die Karte übermittelt ein kryptografisches Einmal-Token, keine Klartext-Kartennummer. Die Daten werden sofort verschlüsselt an den Acquirer weitergeleitet.
  5. Bei Beträgen oberhalb der Kontaktlos-Grenze — in Deutschland meist 50 € — gibt der Kunde seine PIN direkt auf dem Display des Händlertelefons ein („PIN on Glass“).

Entscheidend ist, dass die Kartendaten das Gerät nie im Klartext erreichen. Auf iPhones übernimmt das Secure Element diese Aufgabe, auf Android eine gehärtete Softwareumgebung mit Attestierung, die prüft, ob das Gerät gerootet oder manipuliert wurde.

SoftPOS, mPOS oder klassisches Terminal — was ist der Unterschied?

Die drei Begriffe werden ständig vermischt, bedeuten aber sehr Unterschiedliches:

SoftPOSmPOSKartenterminal
Zusatzhardwarekeinekleines Lesegerät (ca. 30–80 €) Terminal (Kauf 200–600 € oder Miete)
BeispieleNexi SoftPOS, Rubean PhonePOS, Softpay, Tap to Pay on iPhone SumUp Air, Zettle Reader, myPOS GoIngenico, Verifone, PAX
Startkostenmeist 0 €30–80 €ab ca. 20 €/Monat Miete
girocardnur bei wenigen AnbieternteilweiseStandard
Bondruckdigital (SMS, E-Mail, QR)digitalintegriert oder separat
Ideal fürmobile Betriebe, Start, geringes Volumen kleine Ladengeschäftehoher Bonumsatz, Kassenintegration

Sicherheit: Was MPoC, CPoC und SPoC bedeuten

Das PCI Security Standards Council hat für SoftPOS eigene Standards geschaffen. Sie sind das wichtigste objektive Qualitätsmerkmal, das ein Händler prüfen kann:

Praxis-Hinweis: Von den 121 in unserer Datenbank erfassten Anbietern weisen nur 12 eine MPoC-, CPoC- oder SPoC-Zertifizierung öffentlich aus. Das heißt nicht, dass die übrigen unsicher sind — viele nutzen die zertifizierte Plattform eines Partners oder das Apple-/Google-Programm. Es heißt aber, dass Sie es nicht selbst nachprüfen können. Fragen Sie im Zweifel nach der Zertifizierungsnummer.

Welche Geräte SoftPOS unterstützen

iPhone: „Tap to Pay on iPhone“ läuft ab iPhone XS mit aktuellem iOS. Apple gibt die Funktion Land für Land frei — 2026 kamen unter anderem Mexiko (März) und Südafrika (Mai) dazu. Der Zugang läuft ausschließlich über zugelassene Zahlungsdienstleister; Apple erhebt selbst keine Händlergebühr.

Android: Technisch anspruchsvoller, weil die Gerätelandschaft heterogen ist. Voraussetzung sind in der Regel Android 9 oder höher, ein NFC-Chip mit HCE-Unterstützung und ein nicht gerootetes Gerät. Viele Anbieter pflegen eine Whitelist zugelassener Modelle — prüfen Sie diese, bevor Sie Geräte anschaffen.

Was SoftPOS kostet

Die Kostenstruktur besteht aus bis zu fünf Komponenten. Wer nur auf den Prozentsatz schaut, rechnet sich regelmäßig falsch:

KostenblockTypische SpanneWorauf achten
Transaktionsgebühr0,57 % – 2,99 % Gilt der Satz für alle Karten? Firmen- und Nicht-EU-Karten kosten oft 1–1,5 % mehr.
Feste Gebühr pro Transaktion0 – 0,25 € Bei kleinen Beträgen der größte Kostenhebel — 0,05 € auf 3 € Umsatz sind 1,7 %.
Monatliche Grundgebühr0 – 30 €Oft an ein Bundle mit Hardware gekoppelt.
Einrichtung / Lizenz0 – 99 €Häufig als Aktion erlassen, dafür längere Laufzeit.
Auszahlung0 – 1 € je Auszahlung Bei Anbietern mit eigenem IBAN kostenlos, bei Auszahlung auf Fremdkonto teils gebührenpflichtig.

Die vollständige Rechnung mit Beispielszenarien finden Sie im Kostenvergleich: Was SoftPOS wirklich kostet.

Das girocard-Problem in Deutschland

Rund die Hälfte aller Kartenzahlungen in Deutschland läuft über die girocard, nicht über Visa oder Mastercard. Genau hier liegt die größte Falle bei internationalen SoftPOS-Anbietern.

Kernbefund unseres Vergleichs: Von 105 verglichenen Anbietern unterstützen nur 13 die girocard. Anbieter wie SumUp, myPOS, Zettle, Revolut und Stripe akzeptieren in Deutschland ausschließlich Visa und Mastercard. Wer im stationären Einzelhandel arbeitet, schließt damit einen erheblichen Teil seiner Kunden aus. Nur girocard-fähige Anbieter anzeigen →

Wo SoftPOS an Grenzen stößt

In 6 Schritten zum passenden Anbieter

  1. girocard klären. Verkaufen Sie stationär in Deutschland? Dann ist das K.-o.-Kriterium Nr. 1.
  2. Monatsumsatz schätzen. Unter 2.000 € Kartenumsatz zählt die Grundgebühr mehr als der Prozentsatz — darüber kehrt sich das um.
  3. Durchschnittsbon prüfen. Bei kleinen Beträgen ist die feste Cent-Gebühr entscheidend.
  4. Geräte-Kompatibilität prüfen. Steht Ihr Smartphone-Modell auf der Whitelist des Anbieters?
  5. Auszahlungsdauer und Laufzeit lesen. 48-Monats-Verträge sind bei einigen deutschen Anbietern Standard — das steht selten auf der Startseite.
  6. Zertifizierung erfragen. Wenn MPoC nicht ausgewiesen ist: nachfragen und die Antwort schriftlich geben lassen.

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Häufige Fragen

Was bedeutet SoftPOS ausgeschrieben?

SoftPOS steht für „Software Point of Sale“. Gemeint ist eine Software, die die Funktion eines Kartenterminals vollständig auf einem Standard-Smartphone abbildet. Synonyme sind Tap to Phone, Tap on Mobile und CPoC/MPoC-Lösung.

Ist SoftPOS in Deutschland erlaubt?

Ja. SoftPOS-Lösungen sind in Deutschland zugelassen und werden unter anderem von Sparkassen, VR Payment, PAYONE und Nexi angeboten. Der Zahlungsdienst selbst muss von einem lizenzierten Zahlungsinstitut erbracht werden — das übernimmt der jeweilige Anbieter.

Brauche ich für SoftPOS ein Geschäftskonto?

In der Regel ja. Die meisten Anbieter zahlen ausschließlich auf ein Konto aus, das auf den Geschäftsinhaber oder das Unternehmen läuft. Anbieter wie myPOS und Viva.com stellen ein eigenes Konto mit IBAN bereit, auf dem das Geld sofort verfügbar ist.

Funktioniert SoftPOS ohne Internet?

Nur eingeschränkt. Einige Anbieter erlauben einen Offline-Modus mit Betragsobergrenze, bei dem die Transaktion zwischengespeichert und später eingereicht wird — das Ausfallrisiko trägt dann der Händler. Für den Regelbetrieb ist eine stabile Mobilfunk- oder WLAN-Verbindung nötig.

Kann ich mit SoftPOS auch Trinkgeld abfragen?

Das hängt vom Anbieter ab und ist nicht selbstverständlich. In der Gastronomie sollten Sie Trinkgeld, Rechnungssplitting und die Anbindung an Ihr Kassensystem vor Vertragsabschluss praktisch testen.

Was passiert bei einer Rückerstattung?

Rückerstattungen laufen über die App des Anbieters. Achten Sie darauf, ob die ursprüngliche Transaktionsgebühr erstattet wird — bei vielen Anbietern bleibt sie einbehalten.

Ersetzt SoftPOS meine Registrierkasse?

Nein. SoftPOS wickelt die Zahlung ab, nicht die Kassenführung. Wenn Sie in Deutschland ein elektronisches Kassensystem verwenden, brauchen Sie weiterhin eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) und müssen die GoBD einhalten.