Handy als Kartenlesegerät: Kartenzahlung per Smartphone einfach erklärt
SoftPOS macht aus einem gewöhnlichen Smartphone ein Kartenterminal — ohne Hardware, ohne Mietvertrag, ohne Bondrucker. Dieser Leitfaden erklärt die Technik, die Kosten, die Sicherheitsstandards und die Grenzen der Technologie.
SoftPOS (Software Point of Sale, auch „Tap to Phone“ oder „Tap on Mobile“) bezeichnet eine Software, die die NFC-Antenne eines handelsüblichen Smartphones oder Tablets nutzt, um kontaktlose Kartenzahlungen entgegenzunehmen. Der Kunde hält seine Karte, sein Handy oder seine Smartwatch an die Rückseite des Händlergeräts — es wird keine zusätzliche Hardware benötigt. Der Sicherheitsstandard dafür heißt PCI MPoC.
Inhalt
Wie SoftPOS technisch funktioniert
Jedes moderne Smartphone besitzt einen NFC-Chip. Bisher durfte dieser Chip aus Sicherheitsgründen nur im Lesemodus für die eigene Wallet arbeiten. SoftPOS kehrt die Rolle um: Das Telefon wird zum Akzeptanzgerät.
Der Ablauf einer Zahlung dauert wenige Sekunden und läuft in fünf Schritten ab:
- Der Händler gibt den Betrag in der App ein.
- Die App aktiviert den NFC-Chip im Akzeptanzmodus.
- Der Kunde hält Karte, Smartphone oder Smartwatch an die Rückseite des Händlergeräts.
- Die Karte übermittelt ein kryptografisches Einmal-Token, keine Klartext-Kartennummer. Die Daten werden sofort verschlüsselt an den Acquirer weitergeleitet.
- Bei Beträgen oberhalb der Kontaktlos-Grenze — in Deutschland meist 50 € — gibt der Kunde seine PIN direkt auf dem Display des Händlertelefons ein („PIN on Glass“).
Entscheidend ist, dass die Kartendaten das Gerät nie im Klartext erreichen. Auf iPhones übernimmt das Secure Element diese Aufgabe, auf Android eine gehärtete Softwareumgebung mit Attestierung, die prüft, ob das Gerät gerootet oder manipuliert wurde.
SoftPOS, mPOS oder klassisches Terminal — was ist der Unterschied?
Die drei Begriffe werden ständig vermischt, bedeuten aber sehr Unterschiedliches:
| SoftPOS | mPOS | Kartenterminal | |
|---|---|---|---|
| Zusatzhardware | keine | kleines Lesegerät (ca. 30–80 €) | Terminal (Kauf 200–600 € oder Miete) |
| Beispiele | Nexi SoftPOS, Rubean PhonePOS, Softpay, Tap to Pay on iPhone | SumUp Air, Zettle Reader, myPOS Go | Ingenico, Verifone, PAX |
| Startkosten | meist 0 € | 30–80 € | ab ca. 20 €/Monat Miete |
| girocard | nur bei wenigen Anbietern | teilweise | Standard |
| Bondruck | digital (SMS, E-Mail, QR) | digital | integriert oder separat |
| Ideal für | mobile Betriebe, Start, geringes Volumen | kleine Ladengeschäfte | hoher Bonumsatz, Kassenintegration |
Sicherheit: Was MPoC, CPoC und SPoC bedeuten
Das PCI Security Standards Council hat für SoftPOS eigene Standards geschaffen. Sie sind das wichtigste objektive Qualitätsmerkmal, das ein Händler prüfen kann:
- CPoC (Contactless Payments on COTS, 2019) — nur kontaktlose Zahlung, keine PIN-Eingabe. Dadurch auf kleine Beträge begrenzt.
- SPoC (Software-based PIN entry on COTS) — PIN-Eingabe auf dem Display, aber mit einem zusätzlichen zertifizierten Kartenleser.
- MPoC (Mobile Payments on COTS, seit 2022) — der aktuelle Standard, der beides vereint: kontaktlose Annahme und PIN auf Glas, ohne Zusatzhardware. MPoC hat CPoC und SPoC faktisch abgelöst.
Welche Geräte SoftPOS unterstützen
iPhone: „Tap to Pay on iPhone“ läuft ab iPhone XS mit aktuellem iOS. Apple gibt die Funktion Land für Land frei — 2026 kamen unter anderem Mexiko (März) und Südafrika (Mai) dazu. Der Zugang läuft ausschließlich über zugelassene Zahlungsdienstleister; Apple erhebt selbst keine Händlergebühr.
Android: Technisch anspruchsvoller, weil die Gerätelandschaft heterogen ist. Voraussetzung sind in der Regel Android 9 oder höher, ein NFC-Chip mit HCE-Unterstützung und ein nicht gerootetes Gerät. Viele Anbieter pflegen eine Whitelist zugelassener Modelle — prüfen Sie diese, bevor Sie Geräte anschaffen.
Was SoftPOS kostet
Die Kostenstruktur besteht aus bis zu fünf Komponenten. Wer nur auf den Prozentsatz schaut, rechnet sich regelmäßig falsch:
| Kostenblock | Typische Spanne | Worauf achten |
|---|---|---|
| Transaktionsgebühr | 0,57 % – 2,99 % | Gilt der Satz für alle Karten? Firmen- und Nicht-EU-Karten kosten oft 1–1,5 % mehr. |
| Feste Gebühr pro Transaktion | 0 – 0,25 € | Bei kleinen Beträgen der größte Kostenhebel — 0,05 € auf 3 € Umsatz sind 1,7 %. |
| Monatliche Grundgebühr | 0 – 30 € | Oft an ein Bundle mit Hardware gekoppelt. |
| Einrichtung / Lizenz | 0 – 99 € | Häufig als Aktion erlassen, dafür längere Laufzeit. |
| Auszahlung | 0 – 1 € je Auszahlung | Bei Anbietern mit eigenem IBAN kostenlos, bei Auszahlung auf Fremdkonto teils gebührenpflichtig. |
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Das girocard-Problem in Deutschland
Rund die Hälfte aller Kartenzahlungen in Deutschland läuft über die girocard, nicht über Visa oder Mastercard. Genau hier liegt die größte Falle bei internationalen SoftPOS-Anbietern.
Wo SoftPOS an Grenzen stößt
- Akkulaufzeit. Dauerbetrieb mit aktivem NFC und Display zieht spürbar Strom. Für einen langen Markttag brauchen Sie eine Powerbank.
- Kein Bondruck. Belege gehen digital raus. Wo ein Papierbon erwartet wird, brauchen Sie einen Bluetooth-Drucker — dann ist der Hardware-Vorteil teilweise dahin.
- Trinkgeld und Splitting. Nicht jede App kann das. In der Gastronomie unbedingt vorher testen.
- TSE-Pflicht bleibt. SoftPOS ersetzt keine Kassensoftware. Wenn Sie in Deutschland ein elektronisches Aufzeichnungssystem einsetzen, gilt die Kassensicherungsverordnung unverändert.
- Unbeaufsichtigter Betrieb ist ausgeschlossen. Automaten und Selbstbedienungsterminals werden von MPoC nicht abgedeckt.
- Betragsgrenzen. Einzelne Anbieter deckeln Transaktionen hart — Clip in Mexiko etwa bei 1.000 MXN.
In 6 Schritten zum passenden Anbieter
- girocard klären. Verkaufen Sie stationär in Deutschland? Dann ist das K.-o.-Kriterium Nr. 1.
- Monatsumsatz schätzen. Unter 2.000 € Kartenumsatz zählt die Grundgebühr mehr als der Prozentsatz — darüber kehrt sich das um.
- Durchschnittsbon prüfen. Bei kleinen Beträgen ist die feste Cent-Gebühr entscheidend.
- Geräte-Kompatibilität prüfen. Steht Ihr Smartphone-Modell auf der Whitelist des Anbieters?
- Auszahlungsdauer und Laufzeit lesen. 48-Monats-Verträge sind bei einigen deutschen Anbietern Standard — das steht selten auf der Startseite.
- Zertifizierung erfragen. Wenn MPoC nicht ausgewiesen ist: nachfragen und die Antwort schriftlich geben lassen.
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Häufige Fragen
Was bedeutet SoftPOS ausgeschrieben?
SoftPOS steht für „Software Point of Sale“. Gemeint ist eine Software, die die Funktion eines Kartenterminals vollständig auf einem Standard-Smartphone abbildet. Synonyme sind Tap to Phone, Tap on Mobile und CPoC/MPoC-Lösung.
Ist SoftPOS in Deutschland erlaubt?
Ja. SoftPOS-Lösungen sind in Deutschland zugelassen und werden unter anderem von Sparkassen, VR Payment, PAYONE und Nexi angeboten. Der Zahlungsdienst selbst muss von einem lizenzierten Zahlungsinstitut erbracht werden — das übernimmt der jeweilige Anbieter.
Brauche ich für SoftPOS ein Geschäftskonto?
In der Regel ja. Die meisten Anbieter zahlen ausschließlich auf ein Konto aus, das auf den Geschäftsinhaber oder das Unternehmen läuft. Anbieter wie myPOS und Viva.com stellen ein eigenes Konto mit IBAN bereit, auf dem das Geld sofort verfügbar ist.
Funktioniert SoftPOS ohne Internet?
Nur eingeschränkt. Einige Anbieter erlauben einen Offline-Modus mit Betragsobergrenze, bei dem die Transaktion zwischengespeichert und später eingereicht wird — das Ausfallrisiko trägt dann der Händler. Für den Regelbetrieb ist eine stabile Mobilfunk- oder WLAN-Verbindung nötig.
Kann ich mit SoftPOS auch Trinkgeld abfragen?
Das hängt vom Anbieter ab und ist nicht selbstverständlich. In der Gastronomie sollten Sie Trinkgeld, Rechnungssplitting und die Anbindung an Ihr Kassensystem vor Vertragsabschluss praktisch testen.
Was passiert bei einer Rückerstattung?
Rückerstattungen laufen über die App des Anbieters. Achten Sie darauf, ob die ursprüngliche Transaktionsgebühr erstattet wird — bei vielen Anbietern bleibt sie einbehalten.
Ersetzt SoftPOS meine Registrierkasse?
Nein. SoftPOS wickelt die Zahlung ab, nicht die Kassenführung. Wenn Sie in Deutschland ein elektronisches Kassensystem verwenden, brauchen Sie weiterhin eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) und müssen die GoBD einhalten.